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3 Gründe, warum Stock Picking nicht funktioniert

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Jahr für Jahr wird es für Investmentfonds schwieriger, den Index zu schlagen. Und selbst wenn die Top-Aktienauswahl in einem Jahr sehr gut abschneidet, scheint es immer so, als ob sie im darauffolgenden Jahr zur Mittelmäßigkeit verblasst. Mit der Verwaltung von Investmentfonds sind natürlich hohe Gebühren verbunden; gleichzeitig schneiden einige der größten Investmentfonds durchweg schlechter ab als der Markt.

Infolgedessen stellst auch du dir vielleicht die Frage, ob Fondsmanager langfristig wirklich die besten Aktien auswählen können. Wenn Fondsmanager erfolgreich Stock Picking betreiben könnten, dann würde man annehmen, dass sich der Preis für aktives Management für Investmentfonds lohnt. Aber wenn das Gegenteil der Fall ist, stellt sich die Frage, ob ETFs und Indexfonds die bessere Wahl für Anleger sind.

Auswahl von Aktien in einem effizienten Markt

Wenn du das Buch “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs” von Gerd Kommer gelesen hast, erinnerst du dich vielleicht noch an die anfangs erwähnte Efficient Market Hypothesis (EMH). Die EMH-Theorie hat ihren Ursprung bei Eugene Fama an der Universität von Chicago; in den frühen 1960er Jahren präsentierte Fama seine These, dass die Finanzmärkte sehr effizient sind – oder sein können.

Das solltest du wissen

  • Mit der Verwaltung von Investmentfonds sind hohe Gebühren verbunden; gleichzeitig entwickeln sich einige der größten Investmentfonds durchweg schlechter als der Markt.
  • Infolgedessen fragt man sich als Privatanleger, ob Fondsmanager wirklich die besten Aktien auswählen können.
  • Die Hypothese des effizienten Marktes (EMH) stellt infrage, dass es immer möglich ist, den Markt zu übertreffen, indem man Informationen ausnutzt, die möglicherweise nicht vollständig im Preis eines Wertpapiers enthalten sind.

Dieses Konzept impliziert, dass die Marktteilnehmer anspruchsvoll und informiert sind und nur auf der Grundlage verfügbarer Informationen handeln. Da jeder den gleichen Zugang zu diesen Informationen hat, sind alle Wertpapiere zu jedem Zeitpunkt angemessen bewertet.

Diese Theorie verneint zwar nicht unbedingt das Konzept des Stockpickings, stellt aber die Möglichkeit infrage, den Markt durch die Ausnutzung von Informationen, die sich möglicherweise nicht vollständig im Preis eines Wertpapiers widerspiegeln, dauerhaft zu übertreffen.

Wenn ein Portfoliomanager zum Beispiel ein Wertpapier kauft, glaubt er, dass es mehr wert ist als der aktuelle Preis.

Die EMH wird im Allgemeinen in drei verschiedenen Formen dargestellt: schwach, halbstark und stark. Die schwache Theorie impliziert, dass die aktuellen Preise genau auf den historischen Preisen basieren; die halbstarke Form impliziert, dass die aktuellen Preise ein genaues Abbild der Finanzdaten sind, die den Investoren zur Verfügung stehen; und die starke Form ist die robusteste Form, die impliziert, dass grundsätzlich alle Informationen in den Preis eines Wertpapiers eingeflossen sind.

Wenn du von der ersten Variante überzeugt bist, glaubst du vermutlich eher, dass die technische Analyse von geringem oder gar keinem Nutzen ist; die zweite Form bedeutet, dass du deine fundamentalen Techniken zur Bewertung von Wertpapieren wegwerfen kannst und wenn du von der starken Variante überzeugt bist, kannst du dein Geld genauso gut unter deiner Matratze aufbewahren.

Die Börse in der Realität

Obwohl es wichtig ist, die Theorien zu kennen und die Empirie (Geschichte) mit in deine Investmententscheidungen einzubeziehen, sind die Märkte in Wirklichkeit voller Ineffizienzen. Ein Grund für die Ineffizienzen ist die Tatsache, dass jeder Investor einen eigenen Anlagestil und eigene Wege zur Bewertung einer Investition hat. Der eine nutzt vielleicht technische Strategien, während andere sich auf Fundamentaldaten verlassen; wieder andere kaufen Aktien von Unternehmen, deren Produkte sie im Alltag selber nutzen.

Es gibt auch viele andere Faktoren, die den Preis von Investitionen beeinflussen, von emotionaler Bindung, Gerüchten, dem Preis des Wertpapiers und Angebot und Nachfrage.

Während die EMH aussagt, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, Informationen auszunutzen, schließt sie die Theorie nicht aus, dass Manager den Markt schlagen können, indem sie ein zusätzliches Risiko eingehen. Die meisten Stockpicker lassen sind in die Mitte zwischen aktivem und passivem Investieren einordnen. Obwohl viele davon überzeugt sind, dass alle den gleichen Zugang zu Informationen haben, erzeugt die individuelle Interpretation dieser Daten einen gewissen Wert.

Stockpicker

Der Prozess der Aktienauswahl basiert auf der Strategie, die ein Analyst anwendet, um zu bestimmen, welche Aktien wann zu kaufen oder zu verkaufen sind. Peter Lynch war ein berühmter Stockpicker, der während seiner Zeit bei Fidelity viele Jahre lang eine erfolgreiche Strategie anwandte. Während viele glauben, dass er ein sehr kluger Fondsmanager war und mit seinen Entscheidungen seine Kollegen übertraf, performte der gesamte Aktienmarkt gut. Obwohl Lynch in erster Linie ein Manager war, der in Growth-Aktien investierte, verwendete er auch einige Value-Techniken, die er in seine Strategie integrierte.

Und genau diese Tatsache macht das Stockpicking so vielseitig, denn kein Stockpicker ist wie der andere. Während viele Anleger Wachstumsaktien bevorzugen, sind die Variationen und Kombinationen endlos und wenn du keine Anlagekriterien hast, die absolut in Stein gemeißelt ist, können sich deine Kriterien und Modelle im Laufe der Zeit ändern.

Funktioniert Stock Picking?

Der beste Weg diese Frage zu beantworten, ist die Auswertung der vergangenen Performance von Stock Picking-Portfolios. Es ist auch hilfreich, die Debatte über aktives vs. passives Management zu eröffnen.

Je nachdem, auf welche Zeiträume Sie sich konzentrieren, rangiert der S&P 500 typischerweise über dem Median des aktiv gemanagten Universums. Das bedeutet, dass normalerweise mindestens die Hälfte der aktiven Manager daran scheitert, den Markt zu schlagen. Wenn du den Vergleich genau hier beendest, ist es sehr einfach zu schlussfolgern, dass Manager nicht effektiv genug Aktien auswählen können, um den Prozess profitabel zu machen. Ist das der Fall ist, sollten alle Investitionen in einen Indexfonds gesteckt werden.

Wenn man die Managementgebühren, die Transaktionskosten für den Handel und die Notwendigkeit, eine Cash-Gewichtung für das Tagesgeschäft zu halten, herausrechnet, ist es leicht zu erkennen, dass der durchschnittliche Manager aufgrund dieser Einschränkungen schlechter abschneidet als der allgemeine Index. Wenn man die Kosten jedoch entfernen würde, verläuft das Rennen wesentlich enger.

Im Nachhinein ist es aber immer einfach zu sagen, dass eine Investition in Indexfonds im Großteil der Fälle immer profitabler gewesen wäre. Das große Problem für viele aktive Privatanleger ist die Verlockung, immer in den besten Fonds des vorherigen Quartals zu investieren. Quartal für Quartal fließt das Geld von Fonds mit schlechter Performance in den besten Fonds des Vorquartals, nur um dann festzustellen, dass es im nächsten Quartal wieder einen besseren Fonds gibt. Hin & her macht bekanntlich die Taschen leer, denn durch diese regelmäßigen Transaktionen entstehen Kosten, die deine Rendite früher oder später vernichten werden.

Fazit

Der Erfolg von Stock Picking wird seit jeher heiß diskutiert, und je nachdem, wen du fragst, wirst du unterschiedliche Meinungen hören. Es gibt viele Studien und empirische Beweise, die darauf hindeuten, dass es schwierig ist, erfolgreich Aktien auszuwählen und die Märkte langfristig zu übertreffen.

Außerdem gibt auch Belege dafür, dass passives Investieren in Indexfonds die Mehrheit (über die Hälfte) der aktiven Manager über viele Jahre hinweg schlagen kann. Es liegt in der Natur des Menschen zu glauben, dass es zumindest einige Ineffizienzen in den Märkten gibt. Jedes Jahr wählen einige Manager erfolgreich Aktien aus und schlagen die Märkte. Allerdings haben nur eine handvoll von ihnen die Fähigkeit, dies über Jahrzehnte zu erreichen.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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