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7 Tipps für erfolgreiches Investieren und Portfoliomanagement

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Im Kern ist das Investieren simpel. Das bedeutet jedoch nicht, dass es einfach ist – nur, dass die für den Erfolg notwendigen Verhaltensweisen ziemlich unkompliziert sind. Indem du sich selbst daran erinnerst und sie immer im Hinterkopf behältst, kannst du deine Chancen auf finanzielle Unabhängigkeit erhöhen. Diese sieben Tipps werden dir dabei helfen erfolgreich zu investieren!

1. Bestehe auf eine Sicherheitsmarge

Benjamin Graham, der Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse lehrte, dass der Aufbau einer Sicherheitsmarge bei deinen Investitionen das Wichtigste ist, was du zum Schutz deines Portfolios tun kannst. Dabei hast du zwei Möglichkeiten dieses Prinzip in deinen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen.

Konservative Bewertungen vornehmen

Erstens: Sei konservativ in deinen Bewertungsannahmen. Investoren haben oft die Angewohnheit, die jüngsten Ereignisse in die Zukunft zu übertragen. Wenn die Zeiten gut sind, werden sie übermäßig optimistisch, was die Aussichten ihrer Aktien angeht. Wie Graham in seinem Klassiker The Intelligent Investor erklärte, besteht das Hauptrisiko nicht darin, dass man zu viel für hervorragende Unternehmen bezahlt, sondern eher darin, dass man in allgemein guten Zeiten zu viel für mittelmäßige Unternehmen bezahlt.


\[
Div_{0}= 1\ €; \ g= 8\% ; \ r= 15 \%
\\
Div_{1}=Div_{0}\times(1+g) \rightarrow Div_{1}=1\ € \ \times (1\times1,08) \rightarrow Div_{1}= 1,08 \ €
\\
Preis_{0}=\frac{Div_{1}}{r-g}
\\
Preis_{0}=\frac{1,08\ €}{(0,15 – 0,08)}
\\
\
\\
Preis_{0}\approx15,42\ €
\]

Daher solltest du besonders vorsichtig sein, wenn du die zukünftigen Wachstumsraten eines Unternehmens schätzt, um die potenzielle Rendite zu bestimmen. Für einen Anleger mit einer geplanten Rendite von 15 % ist ein Unternehmen, das 1 € pro Aktie an Gewinn erwirtschaftet 15,42 € wert, wenn das Unternehmen voraussichtlich mit 8 % wächst. Bei einer erwarteten Wachstumsrate von 14 % beträgt der geschätzte innere Wert pro Aktie jedoch 114 €, also siebenmal so viel.

Informiere dich über die Zahlen, die ein Unternehmen für seine erwartete Wachstumsrate angibt, bevor du so viel bezahlst.

Sorgfältig auswählen

Zweitens: Kaufe nur Vermögenswerte, die in der Nähe (im Fall von exzellenten Unternehmen) oder deutlich unter (im Fall von anderen Unternehmen) deiner Schätzung des inneren Wertes liegen. Es ist wichtig, dass du sicherstellst, dass du ein gutes Geschäft machst. Wie viel du zu zahlen bereit bist, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, doch schlussendlich wird der Preis deine Rendite bestimmen.

Im Falle eines außergewöhnlichen Unternehmens – die Art von Unternehmen mit enormen Wettbewerbsvorteilen, Skaleneffekten, Schutz des Markennamens, sprudelnden Kapitalrenditen und starken Finanzen – kann es rational sein, den vollen Preis zu zahlen und regelmäßig zusätzliche Aktien durch Zukäufe und Reinvestition der Dividenden zu erwerben.

Aber diese Arten von Unternehmen sind selten. Bei dieser Art von Unternehmen ist es ratsam, eine zusätzliche Sicherheitsmarge einzuberechnen, indem man die Erträge durch zyklische Anpassungen mäßigt oder nur einen Preis zahlt, der nicht mehr als etwa 66 % des geschätzten intrinsischen Wertes entspricht.

Ausgehend von unserem vorherigen Beispiel eines Unternehmens mit einem geschätzten intrinsischen Wert von 15,42 € bedeutet dies, dass du die Aktie nicht kaufen möchtest, wenn sie zu 13,88 € gehandelt wird, da dies nur eine Sicherheitsspanne von 10 % darstellt. 10,18 € (66 %) wäre ein sicherer Preis, weil du damit im Falle eines großen Crashs einen zusätzlichen Schutz nach unten hättest.

2. Investiere in Vermögenswerte, die du verstehst

Wie kannst du den zukünftigen Gewinn pro Aktie eines Unternehmens schätzen? Im Falle eines großen Getränkeherstellers könntest du zum Beispiel den Pro-Kopf-Verbrauch von Produkten in verschiedenen Ländern der Welt, die Kosten wie Zuckerpreise, die Geschichte des Managements und vielleicht vergangene Wachstumsraten betrachten.

Auf Basis dieser Zahlen ist es möglich eine Tabellenkalkulation zu erstellen, in der du verschiedene Szenarien durchspielen kannst, indem du verschiedene Parameter veränderst. So kannst du dann beispielsweise Preise für ein Bull-Case (wenn alles gut läuft) oder ein Bear-Case (wenn es nicht so gut läuft) berechnen. All das erfordert jedoch erst einmal das Verständnis dafür, wie das Unternehmen überhaupt funktioniert.

Schockierenderweise ignorieren viele Investoren diesen gesunden Menschenverstand und investieren in Unternehmen, die sie kaum bis gar nicht verstehen. Wenn du die Prozesse einer Branche nicht verstehst und nicht abschätzen kannst, wo ein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren stehen wird, solltest du die Aktie nicht kaufen.

Viele Investoren sind jedoch nicht bereit, einige Optionen unter den Stapel “zu schwierig” zu stecken. Selbst der Milliardär Warren Buffett, der für sein enormes Wissen und Talent in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Buchhaltung und Management bekannt ist, gibt seine Unwissenheit zu.

Auf der Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway im Jahr 2003 antwortete Buffett auf eine Frage über die Telekommunikationsbranche folgendes:

„Ich weiß, dass die Leute in 10 bis 20 Jahren Cola trinken, Gillette-Klingen benutzen und Snickers-Riegel essen werden, und ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie viel Gewinn sie machen werden. Aber ich habe keine Ahnung von Telekommunikation. Es stört mich nicht. Jemand wird Geld mit Kakaobohnen verdienen, aber nicht ich. Ich mache mir keine Sorgen über das, was ich nicht weiß – ich mache mir Sorgen darüber, dass ich mir sicher bin über das, was ich weiß.

Warren Buffett

3. Miss die operative Leistung, nicht den Aktienkurs

Leider orientieren sich viele Investoren an dem aktuellen Marktpreis eines Vermögenswertes, um diesen zu bewerten, obwohl dieser Preis langfristig einfach dem Wert des zugrundeliegenden Wertpapiers folgt.

Während des Marktcrashs in den 1970er Jahren verkauften die Leute fantastische langfristige Beteiligungen, die deutlich gefallen waren und liquidierten ihre Anteile, weil sie auf dem Papier 60 % oder 70 % verloren hatten. Den zugrundeliegenden Unternehmen ging es gut, in vielen Fällen warfen sie so viel Geld ab wie immer. Diejenigen, die die Disziplin und den Weitblick hatten, zu Hause zu sitzen und ihre Dividenden zu kassieren, konnten ihr Geld in den folgenden 40 Jahren mit atemberaubenden Raten vermehren – trotz Inflation und Deflation, Krieg und Frieden, unglaublichen technologischen Veränderungen und mehreren Börsenblasen und deren Platzen.

Einige Investoren haben einen Hang zum Glücksspiel und behandeln Aktien wie Lotterielose. Diese Art von Spekulanten kommen und gehen und werden nach fast jedem Crash ausgesiebt. Der disziplinierte Anleger kann diesen Zyklus vermeiden, indem er Vermögenswerte erwirbt, die Umsatz und Gewinn kontinuierlich steigern und die Zeit den Rest erledigen lässt.

4. Minimiere Kosten, Gebühren und Ausgaben

Häufiges Handeln kann deine langfristigen Ergebnisse aufgrund von Gebühren, Spreads und Steuern erheblich verringern. Kombiniert mit dem Verständnis des Zinseszinses stellst du fest, dass er über 10-, 15-, 25- und 50-Jahre gegen dich arbeitet.

Stell dir mal vor, dass du 2021 21 Jahre alt bist. Du planst an deinem 65. Geburtstag in Rente zu gehen, was dir 44 Jahre finanziell produktive Jahre beschert. Jedes Jahr investierst du 10.000 € für deine Zukunft in einen S&P 500 ETF. Nehmen wir dafür mal an, dass deine jährliche Rendite 7 % beträgt. Wenn du 2 % für Kosten ausgeben würden, hast du am Ende 1,587 Millionen Euro. Das ist mit Sicherheit kein kleiner Betrag. Hättest du deine Ausgaben und Gebühren jedoch kontrolliert und die 2 % in deinem Portfolio belassen, um deine Rendite zu erhöhen, hast du bis zum Ruhestand über 2,84 Mio. Euro, also fast doppelt so viel Kapital.

5. Sei vernünftig beim Preis

Dieselbe Aktie, die bei 40 € pro Aktie eine schreckliche Investition war, kann bei 20 € eine wunderbare Investition sein. In der Hektik der Wall Street vergessen viele Menschen diese grundlegende Prämisse und bezahlen dafür leider mit ihrem Geldbeutel.

Stell dir vor, du hast dir ein neues Haus in einer exzellenten Nachbarschaft für 500.000 Euro gekauft. Eine Woche später klopft jemand an deine Tür und bietet dir 300.000 Euro für das Haus. Du würdest ihn mit Sicherheit auslachen. An der Börse würdest du vielleicht in Panik geraten und deinen Anteil am Unternehmen verkaufen, nur weil andere Leute denken, dass es weniger wert ist, als du dafür bezahlt hast.

Wenn du jedoch deine Hausaufgaben gemacht hast, eine ausreichende Sicherheitsmarge mit eingeplant hast und zuversichtlich bist, was die langfristige Wirtschaftlichkeit des Unternehmens angeht, solltest du Kursrückgänge eher als eine Gelegenheit sehen, mehr Anteile des Unternehmens zu kaufen.

6. Halte Ausschau nach guten Gelegenheiten

Wie alle großen Investoren war auch der berühmte Investmentfondsmanager Peter Lynch immer auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit. Während seiner Zeit bei Fidelity machte er keinen Hehl aus seinen investigativen Hausaufgaben: Er reiste durch das Land, untersuchte Unternehmen, testete Produkte, besuchte das Management und befragte seine Familie über ihre Einkaufstouren. Auf diese Weise entdeckte er einige der größten Wachstumsgeschichten seiner Zeit, lange bevor die Wall Street von ihrer Existenz erfuhr.

Das Gleiche gilt für dein eigenes Investment-Portfolio. Wenn du einfach deine Augen offen hältst, kannst du viel leichter über ein profitables Unternehmen stolpern, als wenn du die Seiten von Finanzzeitschriften durchblätterst.

7. Kapital nach Opportunitätskosten aufteilen

Solltest du deine Schulden abbezahlen oder investieren? Staatsanleihen oder Aktien kaufen? Die Antwort auf finanzielle Fragen wie diese sollte immer auf der Grundlage deiner erwarteten Opportunitätskosten erfolgen.

Nach Opportunitätskosten zu investieren bedeutet, jede mögliche Verwendung für dein Geld zu betrachten und sie mit derjenigen zu vergleichen, die dir die höchste risikobereinigte Rendite bietet. Es geht darum, Alternativen zu evaluieren.

Stell dir vor, deine Familie besitzt eine Kette erfolgreicher Handwerksgeschäfte. Du steigerst den Umsatz und Gewinn um 30 %, während du im ganzen Land expandieren. Es würde nicht viel Sinn ergeben, zur Diversifizierung deines passiven Einkommens Immobilien mit 4 % Kapitalisierungsrate in Berlin zu kaufen. Du wirst am Ende viel ärmer sein, als du es sonst gewesen wärst. Vielmehr solltest du es in Erwägung ziehen, einen weiteren Standort zu eröffnen und deiner Familienkasse zusätzlichen Cashflow zuzuführen, indem du das tust, was du am besten kannst.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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