Basiswissen

König Mansa Musa I. – Reichster Mensch aller Zeiten

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Einige Leute sind unglaublich reich. Laut Forbes ist Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem geschätzten Vermögen von 187.5 Milliarden USD (19.05.2021) aktuell der reichste Mensch der Welt. Diese Summe entspricht ungefähr dem kombinierten Bruttoinlandsprodukt von Myanmar, Laos und Kambodscha, in denen rund 74 Millionen Menschen leben.

Sicherlich leben wir in einer Zeit, in der die Akkumulation von Wohlstand durch die Globalisierung und Digitalisierung für viele Menschen erreichbarer wurde und dadurch vermeintlich auch die reichsten Menschen der Weltgeschichte hervorgebracht hat. Doch wie sich herausstellt, ist dem nicht so. Die reichsten Menschen aller Zeiten lebten in früheren Zeiten, in Zeiten, in denen die Messung von Reichtum wesentlich schwieriger war.


Was du wissen solltest

  • Jeff Bezos und Elon Musk gehören derzeit zu den reichsten Menschen der Welt, doch den reichsten Menschen aller Zeiten konnten sie bisher nicht das Wasser reichen.
  • In der Geschichte gab es wohlhabendere Menschen als die modernen Milliardäre, besonders wenn man diejenigen betrachtet, deren Wohlstand und Ausgaben Einfluss auf die gesamte Wirtschaft nahmen.
  • Mansa Musa, der Kaiser des Malischen Reiches aus dem 14. Jahrhundert, brachte so viel Gold in Umlauf, dass es in Kairo und Medina zu einer Hyperinflation kam.
  • Kaiser Atahualpa war so reich, dass die Freigabe seiner Gold- und Silberbestände für eine hohe Inflation, sowie eine wirtschaftliche Abkühlung sorgte.

Von Dschingis Khan bis J.P. Morgan

Die Schätzung von Vermögen aus vergangenen Epochen ist schwierig, da das, was als Reichtum definiert wurde, von Zeit zu Zeit variierte. Wie würdest du den Wert der Ländereien persischer Könige einschätzen? Ergibt die Multiplikation des Gewichts von Dschingis Khans Goldschatz mit dem aktuellen Goldpreis wirklich den Wert seines damaligen Vermögens?

In Volkswirtschaften, in denen es keine echte Währung gab, wurden Steuern auf Gerste erhoben und die Alphabetisierung hätte genauso gut als Raketenwissenschaft angesehen werden können. Die Umrechnung damaliger Assets in heutige Währungen wie den Euro oder Dollar ist nur eine wilde Spekulation.

Doch dass macht es nicht weniger spaßig. Nehmen wir Marcus Licinius Crassus mit einem geschätzten Nettowert von 2 Billionen US-Dollar. Als erster Value-Investor kaufte er ganze Teile Roms, als sie in Flammen standen, und schickte seine Armee versklavter Bauherren und Architekten nur, um die Flammen zu löschen, wenn die Eigentümer zahlten. Als Spartacus 73 v. Chr. eine Rebellion anführte, stellte Crassus persönlich zwei Legionen auf. Der Legende nach starb er, als geschmolzenes Gold in seinen Mund gegossen wurde, ein starkes Symbol für seinen Durst nach Reichtum.

Doch wirklicher Reichtum war nicht nur in der Antike zu finden. Ein anderes Beispiel ist John D. Rockefeller, welcher je nach Schätzung ein Vermögen von 400 und 650 Milliarden US-Dollar besaß. Oder J. P. Morgan, welcher der letzte US-amerikanische Kreditgeber vor der Gründung der Feder Reserve war und mit seinem Darlehen nach der Panik von 1893, die Wirtschaft stabilisieren konnte.

Aber anstatt zu versuchen, den Wohlstand in absoluten Zahlen zu messen, ist es vielleicht am besten zu sehen, wer zu seiner Zeit und an dem jeweiligen Ort so reich war, dass er persönlich den Wert des Geldes bestimmte. In der gesamten Weltgeschichte existierten zwei Menschen, die im Verhältnis zu allen anderen so viel Wohlstand kontrollierten, dass ihre Ausgaben die Wirtschaft der bekannten Welt ins Wanken bringen konnte.

Mansa Musa

Mansa Musa I. – Der wohl reichste Mensch aller Zeiten
Reproduction of the Catalan Atlas of the 20th century that can not be considered facsimile of the original., Mansa Musa, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Der im Jahr 1280 geborene König Mansa Musa I. des Malischen Reiches, unternahm 1324/25 die islamische Pilgerreise nach Mekka. Sein Gefolge bestand aus rund 60.000 Menschen und einer Menge Gold, die Wellen im gesamten Mittelmeerraum verursachte.

Er überschüttete die Städte, die er besuchte, mit Gold, gab es an die Armen weiter und soll jeden Freitag eine neue Moschee gebaut haben. Er verbrachte besonders viel Zeit in Kairo und Medina, und der plötzliche Geldzufluss ließ die Preise für alltägliche Waren steigen.

Rund 700 Jahre ist das her. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts herrschte Mansa Musa I. über das riesige Königreich Mali, das damals zusätzlich Teile der heutigen westafrikanischen Staaten Senegal, Mauretanien, Burkina Faso, Niger, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea und der Elfenbeinküste umfasste.

Es war ein unermesslich reiches Land mit zahlreichen ergiebigen Salz-, Kupfer- und Goldminen. Und alles davon gehörte: dem König. Mansa Musas Vermögen entsprach laut heutigen Schätzungen umgerechnet rund 400 Milliarden Dollar.

Auf seiner Rückreise bekam Mansa Musa die Folgen jedoch selbst zu spüren: Sein Gold war so wenig wert, dass er sich Geld von einem Kaufmann leihen musste.

Übrig blieb von diesem Reichtum allerdings wenig, denn nachdem Mansa Musa im Jahr 1337 starb, versank sein Reich im Chaos. Bürgerkriege und der Kampf gegen Eroberer zerstörten sein Lebenswerk. Heutzutage zählt Mali zu den ärmsten Ländern der Welt.

Atahualpa

Und wie sah es in Amerika aus? 1532 ging ein brutaler Erbfolgekrieg zwischen den Halbbrüdern Atahualpa und Huáscar gerade zu Ende und das Inka-Reich ging in den Genesungsprozess über. Im Umgang mit dem Inka-Reich sind Fragen des wirtschaftlichen Kontextes besonders schwierig. Es ist die einzige komplexe, großflächige Zivilisation, die sich jemals ohne den Anschein eines Marktes entwickelt hat. Es gab überhaupt keine Vorstellung von Geld.

Atahualpa
Online Collection of Brooklyn Museum, Brooklyn Museum – Atahualpa, Fourteenth Inca, 1 of 14 Portraits of Inca Kings – overall, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Vielmehr war der gesamte Staat als eine Art Familieneinheit organisiert, wobei der Inka (der Kaiser) alles kontrollierte: Lebensmittel, Kleidung, Luxusgüter, Häuser und Menschen. Als Mann diente man dem Herrscher als Bauer, Arbeiter, Handwerker oder Soldat gedient. Im Gegenzug wurde einem alles zur Verfügung gestellt, was man zum Überleben brauchten. Frauen galten als Geschenke der Inka.

Als spanische Konquistadoren Atahualpa in Cajamarca überfielen und ihn als Gefangenen nahmen, konnte er ein Lösegeld wie kein anderes aufbringen und einen großen Raum mit Gold füllen. Seine Macht war so unbestritten, dass er ganze Tempel aus Gold besessen haben könnte und tat er auch. Es gab nichts in dem Reich, das er theoretisch nicht besaß.

Während die Zahl im Zusammenhang weitgehend bedeutungslos ist, wäre das Lösegeld, das er gezahlt hat, heute mehr als 230 Millionen US-Dollar wert (basierend auf Berechnungen von John Hemming). Die Spanier töteten ihn trotzdem und beuteten sein Reich raus, wobei die Masse an Gold- und Silber die um 1500 nach Europa transportiert wurde, eine hohe Inflation und einen anhaltenden wirtschaftlichen Einbruch verursachte. Ein Großteil der riesigen Goldsummen, die die europäische Wirtschaft im 16. Jahrhundert versenkten, stammte aus Atahualpa.

Fazit

Wenn du von der Idee überwältigt bist, dass heute weniger als 100 Menschen so viel Wohlstand kontrollieren wie die Hälfte der Welt, musst du dir mal vorstellen, wie konzentriert das Geld oder besser gesagt der Wohlstand früher war. Selbst wenn Bill Gates den extravagantesten Urlaub machen würde, den er sich vorstellen kann, könnte er wahrscheinlich keine regionale Währungskrise verursachen. Wenn jemand einen Milliardär auf der Forbes-Liste entführen würde (es scheint ein bisschen unhöflich, ein bestimmtes Beispiel zu verwenden), würde ein Lösegeld vermutlich keine nationale Rezession verursachen.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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