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Meine 6 wichtigsten Lektionen aus „Rich Dad Poor Dad”

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In der Online Finanzcommunity gibt es immer wieder einige kritische Stimmen Robert Kiyosaki und seiner „Rich Dad Poor Dad”-Buchreihe gegenüber. Auch ich war durchaus skeptisch. Besonders Personen, die eine Asset Allocation mit kostengünstigen und breit gestreuten Indexfonds besitzen, neigen dazu, besonders kritisch zu sein, während Unternehmer und Immobilieninvestoren eher positiv gestimmt sind. Daher teile ich in diesem Beitrag meine Lektionen aus „Rich Dad Poor Dad”. Doch erst einmal die Hauptkritikpunkte an Kiyosaki und seiner Buchreihe:

  • Kiyosaki ist wahrscheinlich ein Lügner (es hat wahrscheinlich nie einen reichen Vater gegeben)
  • „Rich Dad Poor Dad” gibt keine konkreten Ratschläge, sondern nur eine Sammlung von Klischees über Geld
  • Kiyosaki betreibt einen Personenkult

Eigentlich ist es nicht anders als bei anderen bekannten Finanzpersönlichkeiten, besonders aus den USA, wie beispielsweise Dave Ramsey, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dass ihn jemand irgendwann einmal als Lügner bezeichnet hat. Aber hier ist die Art und Weise, wie ich an solche Dinge herangehe:

„Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein eigenes ist.”

Bruce lee

Im Ernst. Wenn du auf der Suche nach einem Guru bist, der immer alles richtig macht und mit dem du bei jedem kontroversen Thema in der Finanzwelt zu 100 % übereinstimmst, wirst du enttäuschst werden. Nimm einfach das, was du aus jeder Quelle (einschließlich dieser hier) nützlich findest und integriere sie in deine eigene Finanzphilosophie.

Daher werde ich in diesem Beitrag nur die nützlichen Dinge besprechen, die ich in „Rich Dad Poor Dad” gefunden habe.

Kiyosaki ist ein Marketing-Genie

Kiyosaki hat eine Menge Bücher und andere Dinge verkauft. Selbst wenn du also nichts von dem lernst, was er verkauft, kannst du eine Menge davon lernen, wie er es verkauft. Er hat es geschafft Leute so zu überzeugen, dass sie sich freiwillig bei ihm melden, um seine Dinge für ihn zu verkaufen. Außerdem stehen die Leute immer wieder Schlange um ihm dabei zuzuhören, wie er ihnen Dinge verkauft.

Wir alle haben etwas zu verkaufen und wie man sich darin verbessert, lernt man, indem man Kiyosaki beobachtet. Schau dir dafür einfach mal nur den Untertitel des Buches an. Die englische Originalausgabe eignet sich dafür noch besser:

What the Rich Teach Their Kids About Money – That the Poor and Middle Class Do Not!

Das ist der größte Clickbait, den ich jemals gesehen habe. Und das Buch erschien im Jahr 1990, also bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde.

Vermögenswerte verdienen Geld für dich

Das vielleicht wichtigste Konzept aus „Rich Dad Poor Dad” ist, dass Vermögenswerte Geld für dich verdienen und Verbindlichkeiten Geld kosten. Es ist keine perfekte Aussage, aber im Allgemeinen ist sie wahr. Ein Auto ist kein Vermögenswert, es sei denn, du bist Uber- oder Taxi-Fahrer. Ich meine, es verliert an Wert, man muss es versichern, tanken und reparieren.

Die landläufige Meinung ist ja, dass ein Haus immer eine gute Investition ist. Doch so einfach ist es leider nicht. Ist es eine Investition? Sicher. Es kann an Wert gewinnen und es spart dir Geld für die Miete. Aber es ist oft keine großartige Investition, vor allem dann nicht, wenn man es nicht lange genug behält, damit die Wertsteigerung die hohen Transaktionskosten ausgleichen kann.

Auf der anderen Seite sind Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Bitcoin und Anlageimmobilien und andere Kleinunternehmen Vermögenswerte. Sie haben eine positive erwartete Rendite und auch der Cashflow – mit Ausnahme von Edelmetallen und Bitcoin – ist positiv. Daher stimme ich Kiyosakis Aussage völlig zu. ZUERST die Vermögenswerte und dann die Verbindlichkeiten zu kaufen.

Der Cashflow-Quadrant

Cashflow Quadrant deutsch

Dieses Konzept ist so populär, dass Kiyosaki ein ganzes Buch nur darüber schrieb. Die Idee war, dass Einkommen aus vier verschiedenen Orten, oder Quadranten, kommt:

  • E – Employee – Du bist Angestellter
  • S – Self-employed – Du bist selbstständig
  • C – Corporation – Du bist Unternehmer und andere arbeiten für dich
  • I – Investor – Dein Kapital arbeitet für dich

Die linke Hälfte

Die erste Art und Weise Geld zu verdienen, ist als Angestellter (Employee). Dieser verdient sein Geld dadurch, dass er seine Zeit, die ihm zur Verfügung steht, gegen einen Lohn (Stundenlohn etc.) tauscht. Kiyosaki ordnet ihm wie auch den anderen 3 Gruppen bestimmte Eigenschaften zu. So ist der Employee besonders auf Sicherheit bedacht, die er noch über seine finanzielle Freiheit stellt. Das Problem an dem Angestelltenverhältnis ist jedoch, dass jeder nur 24 Stunden pro Tag zu Verfügung hat und damit die Grenze für das Einkommen schon durch die Zeit alleine begrenzt ist.

Die zweite Gruppierung, der Kiyosaki ebenfalls das Merkmal der Sicherheit zuordnet, ist die Gruppe der Selbstständigen. Diese sind im Gegensatz zu den Angestellten zwar ihre eigenen Chefs, müssen jedoch auch jeden Tag zu ihrem Arbeitsplatz, um Geld zu verdienen. Sie sind selbstständig, was bedeutet, dass sie selbst und ständig arbeiten müssen.

Damit unterscheiden sie sich von den Unternehmern, da diese ein eigenes System haben, welches für sie arbeitet, und ihnen ein passives Einkommen generiert. Ein Selbstständiger kann sich nicht so einfach freinehmen, da er sonst nichts mehr verdient.

Die rechte Hälfte

Wie bereits angesprochen ist der 3. Weg um Geld zu verdienen ein eigenes Unternehmen zu besitzen. Robert Kiyosaki ordnet ihnen das Merkmal der Unabhängigkeit zu. Sie lassen Menschen (Employees) oder Maschinen für sich arbeiten und sind somit unabhängig.

Im Gegensatz zum Selbstständigen können sie beispielsweise ein Jahr in den Urlaub fahren und würden trotzdem währenddessen und auch danach weiter Geld verdienen. Kiyosaki macht den Unterschied zwischen dem Selbstständigen und dem Unternehmer in dem Satz deutlich „Ein Selbstständiger verfügt über einen Job, der Unternehmer über ein System”.

Die letzte Gruppe sind die Investoren. Ein Investor verdient Geld mit Geld, indem er Geld für sich arbeiten lässt. Für Robert Kiyosaki ist das „Investor-Feld” das Spielfeld für die Reichen. Um wirklich reich zu werden, muss man letztendlich auf das I-Feld gelangen. Kiyosaki beschreibt es folgendermaßen: „Im I-Feld wird das Geld in Reichtum verwandelt”.

Investoren sind diejenigen, die das, was sie verdienen, in Immobilien, Spareinlagen, Anleihen und andere Formen dividendenschaffender Vermögenswerte investieren. Das Ziel der Anleger ist es, nicht mehr zu arbeiten und von den Erträgen ihrer Investitionen zu leben. Auch wenn passives Einkommen eine Wunschvorstellung ist, kommt man dem Ganzen in diesem I-Quadranten am nächsten.

Sei ein Unternehmer

Eine Lektion, die die meisten Leute aus dem Buch mitnehmen, ist, dass es generell eine gute Sache ist, ein Unternehmer zu sein. Ich denke, das ist eine wunderbare Lektion. Nun, wenn man es auf die Spitze treibt (wie Kiyosaki es manchmal befürwortet), wird man in Schwierigkeiten geraten. Aber gut durchdachtes Unternehmertum hat vielen Menschen eine Menge Geld eingebracht, sie vor Burnouts bewahrt und vielen die finanzielle Freiheit ermöglicht.

Das bedeutet nicht, dass jeder das Zeug dazu hat, Unternehmer zu sein. Das bedeutet auch nicht, dass jeder als Unternehmer wohlhabender werden kann, als wenn er in seinem gewählten Beruf/Job hart arbeitet, einen großen Teil seines Verdienstes abzweigt und ihn klug investiert. Aber es ist sehr wohl ein guter Weg, zu einem erfüllten und wohlhabenden Leben.

Einer der größten Kritikpunkte an dem Buch ist, dass es keine Einzelheiten enthält. Nun, so ist das mit dem Unternehmertum. Man kann es nicht genau so machen, wie es die Person vor dir gemacht hat. Es wird nicht wieder funktionieren. Man muss seinen eigenen Weg gehen.

Ich bin der Meinung, dass das, was einen guten Unternehmer ausmacht, nur zu kleinen Teilen aus Büchern gelernt werden kann. Natürlich ist es möglich und auch sinnvoll, aus den Fehlern anderer Unternehmer zu lernen und diese dann zu vermeiden und die guten Dinge zu kopieren. Doch die erfolgreichen Unternehmer verfolgen eine Idee/Problem/Lösung und lernen anschließend die Fähigkeiten, die für die Umsetzung erforderlich sind, anstatt erst geschäftlichen Fähigkeiten zu erlernen und dann auf die Suche nach der großartigen Idee zu gehen.

Überfluss- und Knappheitsmentalität

Ein weiteres Konzept in Kiyosakis Büchern ist die Idee, das „Scarcity Mindset” zu vermeiden. Das „Scarcity Mindset” ist die Vorstellung, dass der Kuchen eine begrenzte Größe hat. Er kann nicht vergrößert werden. Das einzige, was passieren kann, ist, dass du ein größeres Stück davon bekommen kannst. Dazu musst es jedoch von jemand anderem nehmen. Das führt dazu, dass man anderen gegenüber misstrauisch ist, sich zu sehr auf seine Ausgaben statt auf seine Einnahmen konzentriert und am Ende geizig und arm wird.

Das Gegenteil ist das „Abundance Mindset”, bei dem du erkennst, dass der Kuchen wachsen kann. Jeder kann wohlhabender werden und es gibt keine Grenzen für dein Einkommen. Ein Teil davon ist einfach nur optimistisch, doch dieser Wandel in der Einstellung gegenüber Geld kann Wunder bewirken.

Stell dir dafür mal einen sparsamen Blogger vor, der zehn Jahre lang 90 % seines Einkommens spart, um beispielsweise mit 40 in Rente gehen zu können, indem er von seinen Kapitalerträgen lebt. Doch was kannst du stattdessen machen, um nicht dauerhaft verzichten zu müssen?

Ab einem bestimmten Punkt ist es besser, eine Arbeit zu finden, die dich besser bezahlt und die dir so viel Spaß macht, dass du gar nicht früher in Rente gehen möchtest. Seth Godin sagte dazu einmal folgendes:

„Anstatt dich zu fragen, wann denn dein nächster Urlaub ist, solltest du dir ein Leben schaffen, vor dem du nicht zu entkommen brauchst.”

Seth Godin

Immobilien sind ein gutes Investment

Die letzten der Lektionen, die viele Menschen aus „Rich Dad Poor Dad” übernehmen, ist die Tatsache, dass Immobilien ein gutes Investment sind. Einige mögen das anders sehen und bleiben lieber ausschließlich bei Aktien, doch es gibt zahlreiche Beispiele die zeigen, dass Immobilien eine gute Möglichkeit sind, um Vermögen auszubauen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Indexfonds keine guten Investitionen sind. Ich selber investiere überwiegend in Indexfonds & ETFs, doch man sollte die Investmentwelt nicht nur als Entweder – Oder Entscheidung sehen. Natürlich ist die Kritik an Immobilien gerechtfertigt und es ist selbstverständlich auch kein risikoloser Weg um wohlhabend zu werden, doch es immer noch eine Anlageklasse, die es wert ist, in irgendeiner Form und in einem gewissen Umfang in ein Portfolio aufzunehmen.

Die Quintessenz ist, dass es in den meisten Finanzbüchern und Blogs einige Perlen der Weisheit gibt. Durchsiebe den Müll, finde die wirklich wichtigen Dinge und integriere Sie in dein Leben.

Was ist deine Meinung dazu Hast du „Rich Dad Poor Dad” gelesen und wenn ja, wie hat es dir gefallen? Lass es mich in den Kommentaren wissen!


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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