Basiswissen

So funktioniert Portfolio-Rebalancing

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Auch wenn du ein passiver Investor bist, solltest du dein Portfolio mindestens einmal im Jahr neu rebalancen. So geht’s.

Jede Reise beginnt mit einem einzigen Schritt. Wenn du neu in der Welt der Aktien bist, ist es das Wichtigste, einfach loszulegen.

Wenn wir Investitionen mit Autos vergleichen würden, wäre ein großartiges Investmentportfolio wie ein Basismodell eines VWs oder eines Opels. Langweilig? Vielleicht. Aber es macht seinen Job, erfordert nur wenig Wartung und kostet nicht viel.

Aber selbst das zuverlässigste Auto braucht einen regelmäßigen Ölwechsel und wird gelegentlich ein kaputtes Teil haben, das ausgewechselt werden muss. Das Gleiche gilt auch für die am besten konzipierten passiven Anlageportfolios.

Ab und zu wirst du vielleicht ein “schlechtes Teil” erkennen: eine Investition, die nicht mehr deinen Zielen entspricht oder die du von Anfang an nicht hättest besitzen sollen. Und einmal im Jahr musst du sozusagen das Öl in deinem Portfolio wechseln. Dieser Prozess wird Rebalancing genannt.

Wer sollte rebalancen?

Die meisten Anleger, die Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder ETFs in einer beliebigen Kombination für die Altersvorsorge oder sonstige Vorhaben besitzen.

Wer sollte kein Rebalancing betreiben?

Möglicherweise musst du dich nicht um die Neugewichtung deines Portfolios kümmern, wenn:

  • Alle deine Anlagen werden in einem Aktienfonds gemanagt, der ein automatisches Rebalancing durchführt.
  • Alle deine Anlagen befinden sich in einem Robo-Advisor, der auf Basis deiner Anlagepräferenzen dein Depot zusammenstellt und es dementsprechend für dich managt.
  • Du hast einen Finanzberater, der deine Anlagen für dich verwaltet.

Warum du ein Rebalancing durchführen solltest?

Ein gutes Anlageportfolio ist auf verschiedene Arten von Anlagen, sogenannte Anlageklassen, verteilt. Dazu gehören die größten Klassen wie Aktien, Anleihen, Bargeld, Immobilien und Alternativen wie Edelmetalle oder Kryptowährungen.

Darüber hinaus ist es auch von Vorteil, innerhalb jeder Anlageklasse zu diversifizieren. Als durchschnittlicher Anleger möchte man natürlich nicht nur DAX-Werte in seinem Portfolio besitzen; sicherer wäre es, eine Mischung aus inländischen und internationalen Aktien aus vielen verschiedenen Sektoren zu besitzen.

Wenn du bereits in Investmentfonds oder ETFs investiert bist, profitierst du bereits von einer gewissen Diversifizierung. Es liegt jedoch an dir, sicherzustellen, dass die Fonds, die du besitzt, die richtige Allokation von Anlageklassen und ausländischen gegenüber inländischen Anlagen bieten.

Wie passt du dein Portfolio neu an?

Es gibt drei Schritte um ein Rebalancing durchzuführen:

  1. Überprüfe deine ideale Vermögensaufteilung.
  2. Bestimme die aktuelle Allokation deines Portfolios.
  3. Kaufe und verkaufe Aktien, um dein Portfolio neu zu balancieren.

Lass uns jeden Schritt mal im Detail anschauen.

Überprüfe deine ideale Vermögensaufteilung

Deine ideale Asset Allocation – die richtige Mischung aus Aktien, Anleihen und anderen Anlageklassen, in die du dein Geld für den Ruhestand investierst – ist eine persönliche Entscheidung. Es gibt Richtlinien, die dir bei der Bestimmung der Asset Allocation helfen können, darunter eine sehr einfache Regel, bei der du dein Alter von 100 subtrahieren, um den Prozentsatz an Aktien zu erhalten, den du besitzen solltest (z. B. sollte ein 30-Jähriger 70 % Aktien besitzen). Diese Strategie ist jedoch stark umstritten, da sie schlichtweg zu einfach ist.

Bei der Wahl der richtigen Asset Allocation muss man nicht nur abwägen, wie lange man Zeit hat zu investieren, sondern, was vielleicht noch wichtiger ist, wie groß die eigene Risikobereitschaft ist.

Einen etwa 10-minütigen Fragebogen, mit dem du dein Anlageverhalten feststellen kannst, findest du hier. Unter den Fragen werden verhaltensbezogene Fragen dazu gestellt, wie du auf Marktverluste reagieren würden, sowie Fragen, die sich auf andere Bereiche deines Lebens beziehen.

Eine Asset-Allocation-Empfehlung gibt die Seite leider nicht aus, doch aus den Ergebnissen lässt sich schließen, wie “Cool” du mit Risiken und Verlusten umgehen würdest und welche Aktienquote sich daher für dich eignen würde.

Eine gute Faustregel ist diese: Wenn du dazu neigst, bei Marktrückgängen in Panik zu verfallen oder Wertpapiere verkaufst, die du ursprünglich länger halten wolltest, solltest du eine konservativere Asset Allocation in Betracht ziehen, unabhängig von deinem Alter.

Wichtig! In diesem Artikel geht es um eine Asset Allocation, die für jüngere Anleger geeignet ist, die sich noch in der Akkumulationsphase befinden. Das heißt, du verdienst Geld und investierst Jahr für Jahr mehr. Die Asset Allokation wird komplizierter (und bis zu einem gewissen Grad kritisch), wenn du dich im Ruhestand befindest und dich auf deine Investitionen als Einkommen verlassen.

Das heißt, die beste Allokation für deine Akkumulationsphase ist die Allokation, die es dir erlaubt, deine Investitionen für 10 Jahre oder mehr in Ruhe zu lassen und nachts ruhig schlafen zu lassen.

Bestimme die aktuelle Allokation deines Portfolios

Sobald du deine ideale Asset Allocation kennst, ist es an der Zeit, herauszufinden, wo deine Investitionen derzeit stehen. Die meisten Depotbanken bieten diese Informationen in Form eines Dashboards. Andernfalls kann ich dir die kostenlose Software Portfolio Performance empfehlen, die ich selber nutze, um mein Depot zu tracken.

Das sieht dann in etwas so aus:

Portfolio Performance Beispiel
Das ist übrigens nicht mein Portfolio, sondern nur ein Beispiel von der Portfolio-Performance Website.

Wie oft sollte ich ein Rebalancing durchführen?

Für die meisten jungen, langfristigen Investoren sollte ein Rebalancing einmal im Jahr ausreichen. Hat sich jedoch nur kaum etwas getan, solltest du keine Umschichtung vornehmen, da ansonsten unnötige Steuern und Verkaufsgebühren anfallen, die ansonsten hätten vermieden werden können.

Wenn ein Markt um 10 % oder mehr steigt oder fällt, wird deine Allokation wahrscheinlich aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn du also proaktiver vorgehen willst, kannst du auch eine Neugewichtung deines Portfolios in Betracht ziehen, wenn sich die Märkte dramatisch bewegen, wie z. B. bei den Auf- und Abwärtsbewegungen, die wir im März erlebt haben.

Rebalancing erscheint mir zu kompliziert, wie kann ich das vermeiden?

Ein kompliziertes Anlageportfolio neu auszutarieren war früher eine langwierige Aufgabe, die es attraktiv machte, einen Finanzberater zu engagieren. Aber die heutige Technologie kommt dir zu Rettung und kann dir in nur wenigen Schritten diese komplizierte Aufgabe abnehmen.

Wie zuvor schon erwähnt gibt es heutzutage sogenannte Robo-Advisors. Robo-Advisors wählen auf Basis deiner Anlagepräferenzen automatisch das optimale Depot für dich aus. Eine Übersicht der besten Robo-Advisors findest du hier.

Fazit

Das Rebalancing ist ein wichtiger Teil des langfristigen Investierens. Einmal im Jahr solltest du dein Anlageportfolio mit deiner idealen Asset Allocation vergleichen – der richtigen Mischung aus Aktien, Anleihen, Bargeld oder anderen Anlagen für deine Anlageziele. Nimm dann Änderungen vor, indem du Anteile von Anlagen verkaufst und kaufst, um dein Portfolio neu auf dein gewünschtes Ziel auszurichten.



Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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