AktienAnleihen

Vergleich: Sind Anleihen sicherer als Aktien?

7 Mins read

Viele Beginner (und teilweise auch erfahrene Investoren) machen oft den Fehler zu sagen, dass „Investitionen in Anleihen immer sicherer sind als Investitionen in Aktien“. Diese Pauschalisierung ist jedoch nicht unbedingt wahr und beschönigt die Risiken, die mit Investitionen in Anleihen einhergehen.

Während einige Anleihen eine sicherere Investition als Aktien sein können, gibt es viele Variablen, die das relative Risiko beider Wertpapiere beeinflussen können. Bei Investitionen in jede Art von Wertpapieren ist es wichtig, die einzigartigen Risiken der Investition, den Preis der Investition und die breiteren Marktbedingungen zu berücksichtigen.

Daher habe ich in diesem Beitrag einmal die wichtigsten Gründe dafür gesammelt, warum Anleihen sicherer als Aktien sein können, aber es nicht unbedingt sind.

Anleihen vs. Aktien

Zu Beginn sollte man sich erst einmal über den Unterschied zwischen Anleihen und Aktien klar werden. Nur wenn man die Unterschiede und die damit einhergehenden einzigartigen Risiken versteht, kann eine Bewertung vorgenommen werden. Vorab sei aber gesagt, dass beide Anlageklassen sowohl besondere Risiken, als auch Chancen auf großartige Gewinne bieten.

Anleihen

Anleihen (auch „Bonds“, „Rentenpapiere“ oder „festverzinsliche Wertpapiere“ genannt) sind zinstragende Wertpapiere. Grundsätzlich dienen sie Unternehmen (Unternehmensanleihen) oder Staaten (Staatsanleihen) dazu, Geld bei Investoren aufzunehmen. Dabei wird vor der Investition die Dauer der Anlage festgelegt. Auf das geliehene Kapital zahlt der Schuldner dieser Anleihe jährlich Zinsen. Die Höhe der Zinsen ist dabei von der Anlagedauer und dem Risiko abhängig. Je länger man eine Anleihe hält, desto höher sind die Zinsen, aber auch das Risiko. Wenn die festgelegte Zeitdauer erreicht wurde, erhält der Anleger sein Geld inklusive der vorab gezahlten Zinsen zurück.

Dies ist jedoch nur eine Variante, mit Anleihen Geld zu verdienen. Eine andere Methode wäre der Verkauf der Anleihe, sofern sie im Plus ist. Wie bei allen Wertpapieren hängt auch der Preis einer Anleihe von der Nachfrage ab. Wenn nun also viele Investoren in einem kurzen Zeitraum Anleihen kaufen möchten, da sie sich einen stetigen Einkommensstrom in Form von Zinszahlungen versprechen, steigen die Preise der Anleihen.

Steigen die Aktienkurse jedoch schneller und sind somit Anleihen gegenüber attraktiver, sind Anleger in der Regel weniger bereit, sich mit den mageren Erträgen der Zinszahlungen zufriedenzugeben. Das Resultat sind fallende Preise der Anleihen, weshalb Unternehmen höhere Renditen anbieten müssen, um die Anleger zum Kauf ihrer Anleihen zu bewegen. Anleger, die aktiv mit Anleihen handeln oder in Anleihenfonds investieren, setzen sich diesen Risiken der Preisbewegung aus, sowie Risiken, die mit der Zinsentwicklung zusammenhängen.

Wenn ein Anleger eine neue Anleihe kauft und sie bis zur Fälligkeit hält, dann bekommt er sein gesamtes Geld plus Zinsen zurück. Anleihen sind jedoch eine Form der Schuldverschreibung, und wie jede Schuldverschreibung sind sie mit einem Ausfallrisiko verbunden. Wenn du eine Anleihe von einem Unternehmen kaufst und dieses Unternehmen dann leider Insolvenz anmeldet, könntest du dein gesamtes investiertes Kapital verlieren. Anleihegläubiger werden während des Konkursverfahrens vor den gewöhnlichen Aktionären ausgezahlt, aber sie sind nicht unbedingt die Ersten die Gelder aus der Insolvenzmasse erhalten. Einen interessanten Artikel der den Ablauf eines Insolvenzverfahrens erklärt, findest du hier.

Achtung: Anleiheemittenten werden nach ihrer Kreditwürdigkeit bewertet. Bei Unternehmen und Organisationen mit einem AAA-Rating ist es unwahrscheinlich, dass sie mit ihren Schulden in Verzug geraten, daher kann eine AAA-Anleihe sicherer sein als viele Aktien. Anleihen mit einem BBB-Rating oder schlechter werden jedoch als „Schrottanleihen“ betrachtet und können riskanter sein als Aktien.

Aktien

Aktien sind Eigentumsanteile an einem Unternehmen. Wenn du eine Aktie kaufst, erwirbst du damit einen Teil des Eigentums an dem Unternehmen. Während es viele komplexe Methoden des Aktienhandels gibt, können einfache „Buy-and-Hold“-Aktionäre auf zwei Arten profitieren: Das Unternehmen kann Dividenden ausschütten oder du verkaufst du Aktien zu einem höheren Preis.

Beide Methoden des Gewinns sind mit einem gewissen Risiko verbunden, wobei die Höhe des Risikos jedoch von dem Unternehmen abhängt, das hinter den Aktien steht. Ein Unternehmen ist nicht dazu verpflichtet, eine Dividende auszuschütten, weshalb das Risiko besteht, dass Unternehmen in Krisenzeiten ihre Dividendenzahlungen aussetzen. Die Aktienkurse basieren auf der Nachfrage nach den Aktien. Wenn also die Nachfrage nach den Aktien sinkt, wird auch der Aktienkurs fallen. Während es normal ist, dass Aktienkurse schwanken, ist es unwahrscheinlich, dass der Kurs abstürzt, es sei denn es handelt sich um eine Notsituation.

Anleihen können ein Aktienportfolio diversifizieren

Anleger glauben vielleicht, dass Anleihen sicherer als Aktien sind, da von vielen Experten empfohlen wird, Anleihen in sein Depot aufnehmen, um es zu diversifizieren. Grund dafür ist die Tatsache, dass Anleihen und Aktien sich in der Vergangenheit in der Regel in entgegengesetzte Richtungen bewegt haben. Wenn Aktien steigen, sinken Anleihen und umgekehrt. Dies ist natürlich nicht immer zu beobachten und auch kein festgeschriebenes Gesetz, jedoch eine recht sinnvolle Erwartungshaltung.

Diese gegensätzlichen Bewegungen machen eine Diversifizierung attraktiv. Wenn dein Portfolio vollständig aus Aktien besteht und die Aktien an einem Tag fallen, ist dein gesamtes Depot betroffen. Enthält dein Portfolio jedoch zur anderen Hälfte auch noch Anleihen, ist es durchaus realistisch, dass deine Anleiheinvestitionen steigen und deinen Verlust in diesem Moment abfedern oder ausgleichen können.

Trotzdem sollte man jetzt nicht den Fehler begehen und denken, dass diese Tatsache Anleihen automatisch zu einer sichereren Investition als Aktien macht. Vielmehr macht die Strategie der Diversifizierung dein Portfolio sicherer. Dabei müssen auch nicht unbedingt nur Anleihen sein, sondern auch Edelmetalle, Kryptoassets und vielleicht auch P2P-Kredite. Ein gut diversifiziertes Portfolio ist also von Vorteil, wenn du Schwankungen vermeiden möchtest. Ob es langfristig auch eine bessere Rendite bringt, sei mal dahin gestellt. Denn mit Risiko kommt auch Rendite.

Volatilität ist nicht zwangsläufig gefährlich

Ein weiterer Grund, warum Anleger glauben, dass Anleihen sicherer als Aktien sind, ist ihre geringere Volatilität. Es ist nicht allzu ungewöhnlich, dass sich Aktienkurse an einem Tag um 5 % nach oben oder unten bewegen, wohingegen Anleihen fast nie solch drastische Bewegungen verzeichnen.

Das liegt daran, dass Aktienkurse spekulativer sind und es viele unbekannte Risiken beinhaltet. Bei Anleihen gibt es deutlich weniger Unbekannte. Solange der Emittent der Anleihe nicht in Verzug gerät, weiß der Anleihegläubiger genau, wann er Zinszahlungen erhalten wird und wie hoch diese Zahlungen sein werden.

Info: Die Laufzeit der Anleihe kann sich auch auf ihre Volatilität auswirken. Langfristige Anleihen unterliegen größerer Volatilität, da bis zum Fälligkeitsdatum mehr passieren kann.

Die Volatilität macht eine Aktie jedoch nicht unbedingt gefährlicher als eine Anleihe. Aktien hatten schon immer Höhen und Tiefen und werden sie auch zukünftig noch haben, aber historisch gesehen haben sich die großen Indizes immer wieder erholt und sind weiter gestiegen. Natürlich ist es für einen Anleger einfacher, sein Konto täglich zu überprüfen und sich Sorgen zu machen, als sich immer daran zu erinnern, dass der Aktienmarkt langfristig steigt.

Vergiss nicht die Inflation

AAA-Anleihen sind zwar eine relativ sicheres stetiges Einkommen, doch wenn die Zinsen niedrig sind, könnte dein Einkommen von der Inflation vernichtet werden. Dabei spielt zum einen die Rendite von Anleihen eine Rolle, die besonders bei Anleihen mit hohen Ratings oft sehr niedrig sind (< 1 %). Von Februar 2020 bis Februar 2021 stieg der Verbraucherpreisindex um 1,3 %. Das bedeutet, dass eine Anleihe, die in dieser Zeit gehalten wurde, mindestens 1,3 % abwerfen müsste, da sie sonst effektiv Kaufkraft verlieren würden. Eine AAA-Anleihe mit einer Rendite von 1 % mag „sicher“ sein, in dem Sinne, dass der Emittent wahrscheinlich die Bedingungen der Anleihe einhalten wird, aber sie ist möglicherweise nicht „sicher“, wenn es um die beste Strategie für den Vermögensaufbau und den Schutz vor Inflation geht.

Ein Beispiel

Ein Beispiel kann dir dabei helfen, das Konzept dahinter zu verstehen. Stell dir vor, du hast die Wahl zwischen zwei Anlagen für dein Portfolio.

Die erste ist eine Unternehmensanleihe, die jährlich 8,5 % Zinsen zahlt. Wenn das Unternehmen in Konkurs geht, ist diese spezielle Anleihe die dritte in der Reihe der Liquidationspräferenz. Als allgemeine Regel gilt, dass gesicherte Gläubiger, wie z.B. Bankkreditgeber, bei der Liquidationspräferenz an erster Stelle stehen, dann ungesicherte Gläubiger, wie z.B. Anleihegläubiger, dann Vorzugsaktionäre und dann Stammaktionäre. Dies ist jedoch bei jedem Unternehmen unterschiedlich.

Achtung: Während Anleihegläubiger in der Regel Liquidationszahlungen vor den Aktionären erhalten, solltest du versuchen, präventiv zu handeln, indem du Investitionen in Unternehmen zu vermeidest, die wahrscheinlich Konkurs anmelden werden.

Die zweite Anlage ist eine Stammaktie eines schuldenfreien Unternehmens, das mit einem KGV von 10 gehandelt wird. Etwa 5 % des Gewinns werden jedes Jahr als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, was zu einer Dividendenrendite von 5 % führt. Das Management ist gut, die Umsätze sind stabil und das Geschäft wächst etwas schneller als die Inflation. Wenn das Unternehmen untergeht, sind die Aktionäre die ersten in der Liquidationspräferenz, da es keine Anleihe- oder Vorzugsaktionäre gibt und zudem keine Ansprüche bei Schuldnern bestehen.

In diesem Szenario ist die Aktie wahrscheinlich die sicherere Investition. Überrascht? Hier ist der Grund.

Aktionäre sind als erste an der Reihe

Das Aktienbeispiel steht in Bezug auf die Liquidationspräferenz an erster Stelle, während das Anleihebeispiel an dritter Stelle steht. Stammaktionäre, die keine anderen Gläubiger vor sich haben, sind genauso „sicher“ wie ein Anleihebesitzer, dem keine anderen Gläubiger zuvor kommen. Falls etwas schiefgehen sollte, sind Stammaktionäre die ersten in der Reihe, die alles erhalten, was übrig bleibt, nachdem die Mitarbeiter, Vermieter, Verkäufer und andere frühere Gläubiger bezahlt wurden.

Die Bedingungen der Anleihe sind in Stein gemeißelt

Wenn das Geschäft gut läuft, ist es möglich, dass ein Unternehmen seine Dividendenausschüttungen an die Aktionäre erhöht. Der Kurs der Aktie könnte auch steigen, sodass der Aktionär von beiden Vorteilen profitieren kann. Bei einer Anleihe erhältst du den Anleihezins, und das war’s. Natürlich kannst du die Anleihen mit Wertsteigerung verkaufen, doch im Vergleich zu Aktien fallen diese in der Regel eher gering aus. Egal was mit dem Unternehmen oder dem Staat passiert, der die Anleihe ausgegeben, wird es keine Änderung bei den Anleihekonditionen geben. Ebenso wenig werden sich die Bedingungen der Anleihe aufgrund einer gestiegenen Inflationsrate ändern. Die Inflation könnte steigen, aber du erhältst trotzdem nur die 8,5 %, die dir bei der Ausgabe der Anleihe versprochen wurden.

Fazit

Auch wenn es bei Anleihen weniger Unsicherheit und Volatilität gibt, sind Anleihen nicht unbedingt sicherere Investitionen als Aktien. Denn auch bei ihnen besteht ein gewisser Grad an Unsicherheit, unter anderem durch Kreditrisiken, Zinssätze und Inflationsraten. Zudem bewegen sich auch die Kurse von Anleihen. Daher obliegt es dir, deine Möglichkeiten sorgfältig zu analysieren und abzuwägen, bevor du dich entscheidest. Wie oben schon erwähnt, muss es ja kein Entweder-oder sein, sondern eine Kombination aus beiden Assets.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Inhalte werden geladen
Related posts
Aktien

Was sind Index-Futures? - Definition & Beispiele

4 Mins read
Alles was du über Index-Futures wissen musst. Was Index-Futures sind, wie sie funktionieren und welche Vorteile, aber auch Risiken es gibt.
Aktien

Der Unterschied zwischen einem IPO und einem SPAC?

4 Mins read
Lerne den Unterschied zwischen Special Purpose Acquisition Companies/ SPACs und IPOs und was dies für die Sponsoren und den Markt bedeutet.
Aktien

Warum Visionäre CEOs so wichtig für Investoren sind!

2 Mins read
Elon Musk oder Jeff Bezos gelten als die größten Unternehmer unserer Zeit. Warum Visionäre CEOs wichtig für Investoren sind, erfährst du hier.
Werde informiert, wenn es einen neuen Beitrag gibt

Trag einfach deine E-Mail Adresse ein, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben und über Neuigkeiten informiert zu werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.