ETFs

Vor- und Nachteile von ETFs – Das solltest du wissen

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Seit ihrer Einführung im Jahr 1993 und besonders in den letzten Jahren, haben sich ETFs zu einer immer beliebteren Alternative zu den klassischen Investment- oder Aktienfonds entwickelt. Sowohl große Institute als auch Privatanleger haben den Nutzen dieses Anlageinstruments erkannt und zu ihrem Vorteil genutzt. Dabei sollte man sich als Anleger natürlich nicht nur über die Vorteile, sondern auch die Nachteile im Klaren sein. Daher werde ich dir im folgenden Artikel alle Vor- und Nachteile auflisten, die du kennen solltest, bevor du in ETFs zu investieren beginnst.

Wichtig

  • ETFs gelten als risikoarmes oder durchschnittlich risikoreiches Investment, da sie kostengünstig sind und einen Korb an verschiedenen Aktien halten, was die Diversifikation erhöht.
  • Für den Großteil der Privatanleger stellen ETFs die ideale Möglichkeit dar, um schnell und unkompliziert ein breit gestreutes Portfolio aufzubauen.
  • Dennoch tragen ETFs einzigartige Risiken mit sich, die von der jeweiligen Art und dem abzubildenden Index abhängig sind.

Vorteile von ETFs

Diversifikation

Allein eine einzige Position, beispielsweise von dem MSCI All Country World Index ermöglicht dir eine Diversifikation über 23 Industrieländern und 26 Schwellenländern mit insgesamt 2.986 einzelnen Aktien. Somit werden mit einem einzelnen Produkt, 85% der weltweiten Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen abgedeckt.

Wird wie eine normale Aktie gehandelt

Obwohl ETFs eine wesentlich höhere Diversifikation als Einzelaktien aufweisen, werden sie genauso gehandelt wie beispielsweise eine Apple-Aktie. Somit sind ETFs wesentlich liquider (einfacher zu kaufen oder verkaufen) als Investmentfonds. Insbesondere weil:

  • ETFs leer verkauft werden können (Wette auf fallende Kurse).
  • ETF-Preise über den Tag hinweg regelmäßig aktualisiert werden. Ein offener Investmentfonds hingegen wird immer am Ende des Tages neu bewertet.
  • ETFs ein Risikomanagement erlauben, indem man sie wie eine Aktie mit Futures oder Optionen absichert.

Da du nun weißt, dass ETFs wie Aktien gehandelt werden, kannst du während der Handelszeiten die täglichen Kursänderungen mithilfe des Tickersymbols überprüfen.

Geringe Kosten

ETFs, die passiv verwaltet werden, weisen im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds eine wesentlich geringere Kostenquote auf. Was ist der Grund dafür? ETFs haben die Aufgabe einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden. Diesen Job übernimmt eine Software. Aktive Fonds hingegen werden von Fondsmanagern geleitet, die oft hohe Gehälter erhalten. Auch Gebühren für die Verwaltung und das Marketing fließen in die Kosten der aktiven Fonds mit ein. Daher sind ETFs in der Regel immer günstiger als ein aktiver Fonds.

Sofort reinvestierte Dividenden

Dividenden, die von den im ETF enthaltenen Unternehmen ausgeschüttet werden, werden schnellstmöglich wieder in den ETF reinvestiert, sofern es sich um einen thesaurierenden ETF handelt. Ein ausschüttender ETF gibt die Dividenden in regelmäßigen Abständen an die Anleger weiter. Bei offenen Investmentfonds werden die Dividenden nicht automatisch reinvestiert.

Geringere Abschläge oder Prämien im Preis

Bei ETFs besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kurse einen höheren oder geringeren Wert aufweisen, als die abzubildenden Werte innerhalb des Index. ETFs werden über den Tag hinweg immer nahe dem Preis des zugrunde liegenden Index gehandelt. Sollten die Preise jedoch stark abweichen, werden sie binnen weniger Minuten durch Arbitragegeschäfte wieder in Einklang gebracht.

Nachteile von ETFs

Während es viele Vorteile gibt, existieren wie bei jedem anderen Finanzprodukt natürlich auch Nachteile. Unter ihnen:

Weniger Diversifikation

Einige Sektoren oder auch ausländische Aktien beschränken sich beispielsweise nur auf Large-Cap-Aktien. Somit werden nur die größten Unternehmen des Sektors oder der Region abgebildet und Mid- und Small-Cap-Aktien vernachlässigt. Da kleinere Unternehmen ein größeres Wachstumspotential und somit auch Renditepotential aufweisen, könnte eine Vernachlässigung dieser Märkte zu geringeren Wachstumschancen deines Depots führen. Je nach Anlageziel und Anlagehorizont sollte dies auf jeden Fall beachtet werden.

Intraday-Preise könnten übertrieben sein

Langfristige Anleger haben einen Anlagehorizont von 10 bis 20 Jahren, sodass tägliche Marktschwankungen keinen Einfluss auf ihre langfristige Depotentwicklung und ihre Kaufentscheidungen nehmen. Anders könnten sich große Marktbewegungen jedoch auf die Anleger auswirken, die keinen so langen Zeithorizont haben. Sie könnten irrational handeln und zu Panikverkäufen verleitet werden.

Höhere Kosten

Die Mehrheit der Anleger vergleicht ETFs mit normalen Investmentfonds, die aktiv gemanagt werden. Jedoch ist auch der Vergleich mit einer Einzelaktie ratsam, denn auch zwischen diesen beiden Assets besteht ein Kostenunterschied. Die für den Kauf anfallende Gebühr beim Broker ist dieselbe, jedoch wird beim Kauf von Aktien keine Verwaltungsgebühr erhoben. Bei ETFs liegt die durchschnittliche Gesamtkostenquote (TER) bei 0,34 % pro Jahr.

Swap ETFs: Risiken liegen hier beim Tauschpartner

Während Fondsgesellschaften bei physischen ETFs exakt die Aktien kaufen, die im jeweiligen Index enthalten sind, können synthetisch replizierende ETFs – auch Swap ETFs genannt – Aktien und Wertpapiere von verschiedenen Börsen enthalten. Dieses Verfahren wählen Fondsgesellschaften vor allem dann, wenn die Transaktionskosten für den physischen Kauf der Einzelaktien zu hoch wären.

Im Fall von Swap ETFs geht der Anbieter des ETFs einen Vertrag mit einem Tauschpartner ein. Dieser garantiert die möglichen Gewinne des gewählten Index. Der ETF und damit dessen Investoren sind also davon abhängig, dass der Swap-Partner seinen Verpflichtungen auch nachkommt. Das versteht man unter dem sogenannten Gegenparteirisiko.

Sollte der Swap-Partner Insolvenz anmelden müssen, sind 90 % des Anlagevermögens gesetzlich abgesichert, 10 % aber nicht. Für Investoren besteht bei solch einem ETF also das Risiko, einen Teil des angelegten Geldes zu verlieren.

Tracking Error

Besonders bei physisch replizierenden ETFs besteht außerdem das sogenannte Tracking Error-Risiko: Da bei jeder Indexveränderung auch die Wertpapiere im ETF verändert werden müssen, entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden müssen. Durch diese Kosten kann die Wertentwicklung des ETF von der eigentlichen Wertentwicklung des Index abweichen.

Fazit

ETFs werden von einer Vielzahl von Anlegern verwendet, um sich schnell und unkompliziert ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen oder sich in bestimmten Märkten zu engagieren. Sie werden wie Aktien gehandelt, bieten jedoch den Vorteil der sofortigen Diversifikation und im Gegensatz zu normalen Investmentfonds, werden die Kurse über den Tag hinweg aktualisiert.

Jedoch gibt es natürlich auch Nachteile, auf die du achten musst, bevor du eine Order für einen oder mehrere ETFs platzierst. Dazu zählt die Kontrolle der Gesamtkostenquote und die Art der Replikation. Je nach Art bestehen einzigartige Risiken wie beispielsweise das Gegenparteirisiko bei synthetischen ETFs. Daher sollte man sich als angehender Investor immer möglichst genau mit dem spezifischen Produkt auseinandersetzen und erst investieren, wenn man es zu 100% verstanden hat. Hilfreich sind Tools wie JustETF, die dir eine einfache Suche ermöglichen und dir alle wichtigen Fakten zu dem Produkt aufzeigen.

Wie du JustETF nutzt, um den perfekten ETF für deine Ziele und Risikotoleranz zu finden, erfährst du hier.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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