Aktien

Warum Quartalszahlen für Anleger wichtig sind

5 Mins read
  • Foto von Lukas von Pexels

Von allen Faktoren, die den Preis einer Aktie beeinflussen können – potenzielles Wachstum, Veränderungen in der Führung eines Unternehmens, allgemeine Marktstimmung, Hype, Gerüchte und ungefähr ein Dutzend anderer Elemente – ist der Gewinn eines Unternehmens vielleicht der wichtigste und einfachste.

Wenn du in Erwägung ziehst, ein bestehendes Unternehmen zu kaufen, würdest du vermutlich seine Bilanzen durchsehen, um mehrere Komponenten zu erkennen. Dazu gehört, wie viel Geld das Unternehmen im letzten Jahr (und davor) verdient hat, wie viel es für den Betrieb ausgegeben hat und wie viel davon schlussendlich übrig geblieben ist – also der Gewinn. Investoren, die Aktien von börsennotierten Unternehmen kaufen, wollen die gleichen Informationen.

Zu verstehen, wie man die Quartalszahlen eines Unternehmens interpretiert, wird dir helfen, ein besserer Investor zu werden. In diesem Artikel werden wir uns die Bestandteile eines Gewinnberichts ansehen und die verschiedenen Arten, wie der Gewinn ausgedrückt wird, erkunden.

Was ist ein Quartalsbericht?

Die Quartalszahlen stellen den Geschäftsbericht einer Aktiengesellschaft dar. Das Unternehmen veröffentlicht die Zahlen selbst, und zwar alle drei Monate, also viermal im Jahr. In dem Bericht finden sich alle wichtigen Informationen rund um die Geschäfte der Firma sowie den aktuellen finanziellen Zustand.

Die Zahlen im Quartalsbericht beziehen sich immer auf das letzte Quartal. Sie helfen den potenziellen Käufern von Aktien dabei, den Zustand der Firma einzuschätzen, bevor sie investieren. Darüber hinaus ist der detaillierte Geschäftsbericht eine wichtige Lektüre. Dieser erscheint einmal im Jahr als Jahresabschlussbericht.

In Deutschland ist es keine Pflicht, den Quartalsbericht zu veröffentlichen – in den USA hingegen schon. Dennoch entscheiden sich viele Aktiengesellschaften hierzulande dafür, Quartalszahlen zur Verfügung zu stellen. Diese Transparenz soll dabei helfen, Investoren anzuziehen.

Der Prime Standard gilt in Deutschland seit 2003. Es handelt sich um einen privatrechtlichen Standard, bei dem sich Unternehmen zu Transparenz verpflichten. Dieser Standard ist Voraussetzung um in den Deutschen Aktienindex (DAX) aufgenommen zu werden.

Was steht in einem Geschäftsbericht

Alle Ergebnisberichte sind auf der Website eines Unternehmens verfügbar, normalerweise im Bereich Investor Relations.

In Deutschland existieren keine gesetzlichen Vorschriften für den Inhalt eines Geschäftsberichtes. Daher handelt es sich um eine freiwillige Veröffentlichung von Unternehmen, die zugleich den gesetzlichen Offenlegungsvorschriften (§§325 HGB) gerecht wird.

Die Kriterien der Offenlegungsvorschrift lauten wie folgt:

  • Lagebericht
  • Jahresabschlussbericht
  • Gewinnverwendungsvorschlag
  • Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers (zum Jahresabschluss)
  • Bericht des Aufsichtsrates
  • Erklärung zum Corporate Governance Kodex

Neben diesen verpflichtenden Inhalten der Offenlegungsvorschrift gibt es freiwillige Angaben, die fast alle großen Firmen mit in den Geschäftsbericht aufnehmen. Diese sind nicht prüfungspflichtig und dienen vor allem der Selbstdarstellung, weshalb die Informationen mit Vorsicht zu genießen sind.

Freiwillige Angaben im Geschäftsbericht:

  • Brief des Vorstands an die Aktionäre
  • Allgemeine wirtschaftliche Situation
  • Angaben zur wirtschaftlichen Situation der Branche
  • Angaben zum Geschäftsverlauf
  • Segmentberichterstattung (für manche Unternehmen Pflicht)
  • Sozialbericht
  • Umweltbericht
  • Forschungsbericht
  • Risikobericht

Den Geschäftsbericht verstehen

Aktienanalysten prüfen Quartals- und Jahresberichte, um zu beurteilen, ob ein Unternehmen die Erwartungen erfüllt und ob es auf einem guten Weg zu sein scheint, weiter zu wachsen. Wenn die Gewinne eines Unternehmens in diesem Zeitraum die Erwartungen der Analysten und/oder die eigenen Gewinnprognosen übertreffen, springt der Aktienkurs oft nach oben. Bleibt ein Unternehmen hinter den erwarteten Gewinnen für ein Quartal zurück, kann der Aktienkurs sinken.

Zum Beispiel gab Walmart am 18. Februar 2021 am frühen Morgen vor der Börseneröffnung seine Finanzergebnisse für das letzte Quartal und das gesamte Kalenderjahr 2020 bekannt. Die Gewinne des Einzelhändlers verfehlten die Erwartungen der Analysten und der Aktienkurs fiel. Die Walmart-Aktie eröffnete an diesem Tag mit einem Minus von etwas mehr als 5 % im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages und beendete den Handelstag mit einem Minus von 6,48 %.

Aber welche Kennzahlen sind für die Analysten wichtig, wenn sie von einer Gewinnüber- oder -unterschreitung sprechen?

Ergebnis je Aktie (EPS)

Es gibt Möglichkeiten, den Gewinn eines Unternehmens zu quantifizieren, was dazu beiträgt, ihn aussagekräftiger zu machen als die bloße Auflistung des Gesamtbetrags des Gewinns. Der Gewinn pro Aktie (EPS) ist eine gängige Kennzahl, die den Aktionären hilft, die Auswirkungen des Gewinns des Berichtszeitraums zu quantifizieren und den Wert der Aktien des Unternehmens zu schätzen.

Obwohl keine einzelne Zahl das gesamte Finanzbild eines Unternehmens zusammenfassen kann, gilt das EPS als eine der wichtigsten, da sie die Höhe der Gewinne zeigt, die zur Ausschüttung an die Aktionäre zur Verfügung stehen.

Der Gewinn pro Aktie wird berechnet, indem der Nettogewinn eines Unternehmens durch die Anzahl der ausstehenden Aktien geteilt wird.

Wenn ein Quartalsbericht veröffentlicht wird, besprechen die Führungskräfte des Unternehmens die Ergebnisse oft in einer Telefonkonferenz oder einem Webcast, dem sogenannten Earnings Call. Sie vergleichen das tatsächliche EPS mit dem prognostizierten EPS des Unternehmens und den Erwartungen der Analysten und erklären dann, warum das Unternehmen sein erwartetes EPS erreicht oder nicht erreicht hat. Wie bereits erwähnt, können Unterschiede zwischen dem prognostizierten und dem tatsächlichen Gewinn pro Aktie zu einer Volatilität des Aktienkurses führen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Eine weitere wichtige Finanzkennzahl, die aus dem Quartals- oder Jahresbericht eines Unternehmens entnommen wird, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Das KGV bietet die Möglichkeit, die Aktie zu bewerten und kann zum Vergleich zweier Unternehmen in derselben Branche verwendet werden. Es ist auch eine Möglichkeit zu erkennen, ob ein Aktienkurs im Vergleich zur Vergangenheit hoch oder niedrig ist. Außerdem kann das KGV auch ein Indikator dafür sein, ob der Aktienmarkt (als Ganzes oder als bestimmter Sektor) im Vergleich zu anderen Zeiträumen hoch oder niedrig bewertet ist.

Bei der Entscheidung, ob es sich lohnt, in ein Unternehmen zu investieren, sollte eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden. Wenn man jedoch die KGVs zweier Unternehmen vergleicht, ist dasjenige mit dem kleineren KGV meist die bessere Wahl.

Sowohl das EPS als auch das KGV können in drei grundlegenden Zeitintervallen gemessen werden. Diese sind das trailing EPS oder trailing KGV (die letzten 12 Monate); das aktuelle KGV; oder forward earnings oder forward KGV (die Prognose für das kommende Jahr).

EBITDA

Eine weitere Kennzahl, die in den Gewinnberichten und Gewinnmitteilungen der Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen – kurz EBITDA. Ein hohes EBITDA wird als ein Zeichen für eine gute finanzielle Gesundheit des Unternehmens angesehen. Einer der größten Nachteile dieser Kennzahl ist jedoch, dass sie Posten wie Schuldzinsen, Investitionen und nicht zahlungswirksame Ausgaben ausschließt. Sie gibt also nicht das komplette Bild der Unternehmensfinanzen wieder.

Wenn Geschäftsberichte irreführend sein können

In manchen Fällen können Geschäftsberichte mehr verbergen, als sie preisgeben.

Unternehmen prognostizieren manchmal absichtlich niedrigere Quartalsgewinne in einem öffentlichen Bericht als sie wirklich erwarten, um eine Gelegenheit zu schaffen, diese Prognose solide zu übertreffen. Dies wird “Sandbagging” genannt.

Manchmal malen Unternehmen ein rosigeres Bild ihrer finanziellen Lage, als wirklich ist. Das Aufblähen von Bilanzen und die Irreführung von Investoren kann Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Eines der berühmtesten Beispiele für ein Unternehmen, das Bilanzierungspraktiken anwandte, um den Wert seiner Vermögenswerte und seine Gewinne zu steigern, war Enron, das damals siebtgrößte Unternehmen der USA. Im Jahr 2001 brachte eine Kette von Ereignissen sowohl das Unternehmen als auch seinen Aktienkurs ins Wanken. Die US-Börsenaufsicht SEC begann mit einer Untersuchung der Buchhaltungspraktiken des Unternehmens und Enron korrigierte seine Finanzergebnisse für die vorangegangenen vier Jahre. Der Gewinn für diesen Zeitraum sank um 591 Millionen Dollar, und die Schulden für das Jahr 2000 stiegen um 658 Millionen Dollar.

Der Aktienkurs des Unternehmens, der exponentiell angestiegen war – von 7 Dollar in den frühen 1990er Jahren auf 90 Dollar Mitte 2000 – fiel bis Ende 2001 auf weniger als 1 Dollar. Die Investoren verloren Milliarden von Dollar und Enron meldete im Dezember 2001 Konkurs an.

In dieser Ära der endlosen Online-Meinungen und unaufgeforderten Ratschläge können viele Emotionen in die Investitionsentscheidungen einfließen. Daher sollten Meinungen aus deiner Analyse außen vor bleiben und der Fokus stattdessen nur auf den Zahlen liegen. Außerdem ist die Analyse und das anschließende Ergebnis auch von deiner persönlichen Strategie abhängig.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Inhalte werden geladen
Related posts
Aktien

Was sind Index-Futures? - Definition & Beispiele

4 Mins read
Alles was du über Index-Futures wissen musst. Was Index-Futures sind, wie sie funktionieren und welche Vorteile, aber auch Risiken es gibt.
Aktien

Der Unterschied zwischen einem IPO und einem SPAC?

4 Mins read
Lerne den Unterschied zwischen Special Purpose Acquisition Companies/ SPACs und IPOs und was dies für die Sponsoren und den Markt bedeutet.
Aktien

Warum Visionäre CEOs so wichtig für Investoren sind!

2 Mins read
Elon Musk oder Jeff Bezos gelten als die größten Unternehmer unserer Zeit. Warum Visionäre CEOs wichtig für Investoren sind, erfährst du hier.
Werde informiert, wenn es einen neuen Beitrag gibt

Trag einfach deine E-Mail Adresse ein, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben und über Neuigkeiten informiert zu werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.