Basiswissen

Was ist der Big Mac Index? Einfach erklärt

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Der Big Mac Index ist eine Messmethode, um die Unterschiede der Kaufkraft zwischen verschiedenen Ländern zu erfassen. Der Index basiert auf der Theorie der Kaufkraftparität. Kaufkraftparitäten sind Preisrelationen, die angeben, wie viele Einheiten inländischer Währung erforderlich sind, um die gleiche Menge an Gütern zu erwerben, die für eine Einheit ausländischer Währung erhältlich ist. Damit sollen die Lebenshaltungskosten und das Preisniveau verglichen werden. Dafür kommt jetzt der Big Mac ins Spiel, der überall auf der Welt die gleichen Bestandteile erhält. Dieser Warenkorb an Bestandteilen eignet sich daher perfekt, um die Kaufkraft zwischen Ländern zu vergleichen.

Vor 35 Jahren wurde der Big Mac Index von der britischen Wochenzeitung „The Economist“ entwickelt und seitdem zweimal jährlich veröffentlicht. Die aktuellsten Daten stammen von Januar 2021. Um die Indexwerte einheitlich aufzulisten, rechnet „The Economist“ die Preise in den unterschiedlichen Währungen in die Vergleichswährung US-Dollar um. So lässt sich aus dem Big Mac Index auch ablesen, ob eine Währung im Vergleich zum Preisniveau in einem anderen Land unter- oder überbewertet ist.

Zum Beispiel kostet ein Big Mac in Japan umgerechnet 3,74 US-Dollar, während der Preis in Vietnam nur 2,86 US-Dollar pro Burger beträgt. Der Big Mac Index deutet also darauf hin, dass Japan vermögender ist. Ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bestätigt diese These: Das BIP pro Einwohner ist in Japan etwa 11,75-mal so hoch wie in Vietnam.

Wie der Big Mac Index funktioniert

Der Big Mac Index ist einfach zu berechnen. Du teilst den Preis für einen Big Mac in einem Land durch den Preis für einen Big Mac in einem anderen Land. Indem du für jeden die lokale Währung verwendest, erhältst du einen Wechselkurs.

Dann vergleichst du diesen Wechselkurs mit dem offiziellen Wechselkurs zwischen den beiden Währungen. Nach der Kaufkraftparitätentheorie zeigt dir das, ob eine der beiden Währungen unter- oder überbewertet ist.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass ein Big Mac in den USA $1 kostet und ein Big Mac in der Eurozone 2 €. Die Big Mac Index Bewertung für EUR/USD wäre 2,0, oder zwei geteilt durch eins.

Dies würdest du dann mit dem EUR/USD-Wechselkurs vergleichen. Wenn der EUR/USD-Kurs 1,5 wäre, könntest du vorhersagen, dass der Euro um 0,5 Euro pro US-Dollar unterbewertet ist.

Dies könnte sich auf viele finanzielle Entscheidungen auswirken, z.B. darauf, wo du dein Geld investierst.

Was ist die Kritik am Big Mac Index?

Einige Ökonomen kritisieren, dass der Preis eines Big Macs nicht ausreiche, um die Kaufpreisparität zu vergleichen. Aufgrund der relativ beschränkten Anzahl an Bestandteilen des Burgers könne sich der Warenkorb wesentlich leichter verändern als ein standardisierter Warenkorb. Außerdem werde der Index nicht allen Faktoren gerecht, die Einfluss auf den Preis haben können. Dies sei beispielsweise bei den weltweit starken Unterschieden von Löhnen oder Transportkosten der Fall, die nicht mit einbezogen werden.

Zwar wird der Burger in den meisten Filialen standardisiert verkauft, doch ist er nicht überall identisch: In Indien etwa, wo der Konsum von Rindfleisch Tabu ist, wird er mit Hühnerfleisch zubereitet. Zudem werden Big Macs längst nicht in allen Ländern der Welt verkauft.

Warum der Big Mac Index nützlich ist

Anleger können die Daten des Big Mac Index auf viele Arten nutzen. Zum einen können die Werte genutzt werden, um festzustellen, ob eine Währung im Vergleich zu anderen über- oder unterbewertet ist. Außerdem kann wie am Beispiel China der wachsende Wohlstand festgestellt werden und die zukünftige Entwicklung das Bruttoinlandsprodukt prognostiziert werden.

Außerdem kann mithilfe des Index auch die Veränderung von Wert festgestellt werden. Dies kann beispielsweise die Inflationsrate des Warenkorbs sein, die mit der offiziell veröffentlichten Inflationsrate abgeglichen werden kann.

Der Big Mac Index ist nützlich, aber er ist nur ein Instrument. Anleger sollten ihn zusammen mit anderen Methoden zur Analyse der Märkte nutzen, bevor sie eine Entscheidung darüber treffen, wo sie investieren wollen.

Die Entwicklung der Inflation zu kennen ist äußerst nützlich, wenn es um die Bewertung von Finanzinstrumenten geht. Zum Beispiel müssen die Renditen von Anleihen die erwarteten Inflationsraten einbeziehen. So wird sichergestellt, dass sie auch in Zukunft attraktiv bleiben. Auch Währungen werden von Inflationsraten beeinflusst.

Big Mac Index 2021: So hoch ist der Big Mac Index 2021

  1. Schweiz: 7,29 US-Dollar
  2. Schweden: 6,37 US-Dollar
  3. Norwegen: 6,09 US-Dollar
  4. USA: 5,66 US-Dollar
  5. Israel: 5,35 US-Dollar
  6. Kanada: 5,29 US-Dollar
  7. Eurozone: 5,16 US-Dollar
  8. Australien: 4,98 US-Dollar
  9. Dänemark: 4,9 US-Dollar
  10. Neuseeland: 4,87 US-Dollar

Deutschland wird in diesem Index jedoch nicht alleine aufgeführt, sondern zur Eurozone zusammengefasst und befindet sich somit auf Platz 7 mit 5,16 US-Dollar. Dieser Durchschnitt ist jedoch nicht hundertprozentig aussagekräftig für die alleinige Kaufkraft Deutschlands, da sie sich beispielsweise deutlich von der Kaufkraft Bulgariens oder Polens unterscheidet.

Die letzten Plätze im Ranking des Big Mac Index 2021 werden auf dem 55. Platz von Russland mit 2,2 US-Dollar, sowie Libanon als Schlusslicht auf Platz 56 mit 1,77 US-Dollar.

Variationen des Big Mac Index

Neben dem klassischen Big Mac Index existieren viele andere Varianten dieses Index.

UBS Wealth Management hat den Index erweitert, um die Verdienstmöglichkeiten zu betrachten. Ihr Index berücksichtigt die Anzahl der Stunden, die der Großteil Arbeiternehmer arbeiten muss, um sich einen Big Mac kaufen zu können.

Andere Gruppen erstellten Indizes für andere Artikel, die in mehreren Ländern gekauft werden können und in jedem Land meist gleich sind. Dazu gehören Apple iPods, Starbucks Kaffees, Ikea Billy Bücherregale und mehr.

Der Verbraucherpreisindex (CPI) ist ein wichtiges Maß für die Inflation. Er versucht, alle Güter einzubeziehen, um ähnliche Messgrößen zu betrachten. Einige Ökonomen glauben jedoch, dass bestimmte Güter einen genaueren Indikator liefern können. Der CPI, so argumentieren sie, kann durch bestimmte Kategorien verzerrt oder von einigen Regierungen manipuliert werden.

Jedoch besteht auch hier ein ähnlicher Nachteil wie bei der Verwendung des Big Mac Index. Er beinhaltet nur einen einzigen Artikel. Das bedeutet, dass ihm die Vielfalt der Daten fehlt, die man bei anderen Wirtschaftsindikatoren findet, die verschiedene Arten von Produkten und Dienstleistungen enthalten.

Wie hat sich der Big Mac Index in den letzten Jahren entwickelt?

Viele Länder haben in den letzten Jahren ihr Ranking im Big Mac Index kaum verändert. Die Ukraine, Russland und Indien standen bereits vor einigen Jahren auf den hinteren Plätzen des Rankings, während die Schweiz stets vorne vertreten war. Oft hatten die Schweizer weltweit die höchsten Dollar-Preise pro Big Mac und wurden lediglich von Norwegen oder Israel überholt.

Anhand der Index-Daten der vergangenen Jahrzehnte lassen sich langfristige Entwicklungen ablesen. Etwa der Aufstieg Chinas, das noch 1995 weltweit den niedrigsten Preis pro Big Mac hatte. Ebenso schlug sich das Ende der Sowjetunion in den Daten des Economist nieder: Anfang der 90er-Jahre standen auch heutige EU-Mitgliedsländer wie Polen und Ungarn auf den letzten Plätzen des Rankings.


Die genannten Informationen dienen nicht der Steuer-, Investitions- oder Finanzberatung. Die Informationen werden ohne Berücksichtigung der Anlageziele, der Risikotoleranz oder der finanziellen Umstände eines bestimmten Anlegers präsentiert und sind möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.

Risikohinweis: Investieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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